Mobilitätswende: TRAM?

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Wrangelkiez soll jetzt durch eine ÖPNV-Hauptverkehrstrasse geteilt werden.

Absperrung des Wrangelkiezes
23.4.2021 – Martin Storck

Nach dem Krieg waren wir im Wrangelkiez 28 Jahre nach 3 – einhalb: Görlitzer Bahnhof – Seiten von Berliner Mauern umgeben.
Ab Anfang Mai 2021 wird, was die Bewegungsfreiheit von Rentnern angeht, der Wrangelkiez wieder an zwei Seiten geschlossen. 10.000 Einwohner Berlins wird vorgeschrieben, wie sie sich fortbewegen sollen. Damit die Maßnahme nicht so drastisch ist, wird eine Straßenbahn in 7 Jahren in Aussicht gestellt. Dazu muss eine der belebtesten Straßen des Kiezes von einer Wohnstraße in eine Hauptverkehrsader mit schnellen Fahrradwegen und zwei Straßenbahngleisen umgewandelt werden. Die Falckensteinstraße mit den 50 Straßenbäumen ist gemeint.

Man zwingt uns auf die Straßenbahn, damit sich die Investition im „Grünen Kapitalismus“ rechnet. Das aufgelöste und neu eingerichtete Postamt auf der anderen Spreeseite kann dann auch mit der Straßenbahn erreicht werden. Leider muss dafür – der Kiez ist nach 2 Seiten von Wasser begrenzt und nach Süden vom Görlitzer Park – die 3. Seite nach Norden alle 2,5 Minuten gesperrt werden, damit die Tram keine Verspätung hat, bei der Einfädelung in den Kiez. 200 Fahrgäste, die eine Abkürzung im turbulenten Stadtleben brauchen, können so durchrauschen. Begründung: Die Umsteigebahnhöfe Warschauer Straße und Kottbusser Tor wurden in den letzten 30 Jahren zu klein und sparsam geplant und gebaut.
Aussteigen werden in erster Linie Touristen aus Nordberlin und weltweit, aber weniger die, die heute hier leben. Der Milieuschutz gilt nur für Balkone, Dachausbauten und sehr teure Sanierungen, die umgangen werden können. Die Regulierung durch den Mietenspiegel wurde letztes Jahr unnötig gekippt: Keine guten Aussichten.
In der Stadt- und Verkehrsplanung wird die Vertreibung nicht berücksichtigt, sondern geplant.

Das Rad- und Fußverkehr-Gesetz sieht eine Gleichstellung vor. Wo steht die Bevorzugung einzelner Gruppen, sowie zwangsweise Nutzung der Eigenbetriebe von Berlin, wenn man als Rentner*in in bestimmte Richtungen will? Ein trauriges politisches Kapitel wird im „Kulturkampf“ der Kreuzberger Grünen aufgeschlagen.

PS.: Wir müssen aufpassen, dass der Geist der Überwachung die Flasche hier nicht bald verlässt. Denn anders wird dieses alternative Disneyland den Bewohnerinnen und Bewohner nicht verständlich beigebracht werden können. – Dieses ist das nächste Thema!

Zum Verständnis: Rentnerinnen und Rentner verlieren irgendwann das Gleichgewichtsgefühl auf dem Fahrrad. Sicherheitsprobleme kommen vorher hinzu. Dies ist eine Gruppe, die von der Sperrung betroffen ist. Der Werksverkehr, die Müllentsorgung, die An- und Ablieferung und andere Dienste sind ebenfalls blockiert. Damit ist die Kreuzberger Mischung Geschichte. Milieuschutz adieu! Der Görlitzer Park wird nicht wieder zu erkennen sein. Neu ist besser, als das geschichtlich Gewachsene. Beim Tempelhofer Feld konnten wir das noch verhindern. Hier ist das Ziel beschlossene Sache: Siehe Koalitionsvertrag.

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