Tourismus-Konzept Neukölln

In der Sitzung des Ausschuss für Haushalt, Wirtschaft, Verwaltung und Gleichstellung HWVG Neukölln am 29.4.2019 wurde das von „Tourismus Plan B“ erstellte Tourismuskonzept für Neukölln vorgestellt.

  • Besonders schon mal der Ort: Das Mercure Hotel Berlin-Tempelhof Airport-Hotel, das allerdings nicht in Tempelhof residiert, wie man denken könnte, sondern im Rollberg-Kiez an der Hermannstraße. Sicher kein Zufall, dass das Tourismuskonzept gerade hier vorgestellt wird, wie auch Hikel klar stellte.
  • Es gab eine kurze Intro von Hikel dann etwa 15 Minuten Vortrag von Lorenz / „Tourismus Plan B“, dann Diskussion. Bemerkenswert: Das Thema Sozial-/Stadtverträglichkeit wurde weitgehend ausgeklammert. Hikel sieht das nicht als Teil des Tourismuskonzepts (Details siehe unten). Diese Veranstaltung verstärkte den Eindruck, dass das Thema unter dem Deckel bleiben soll.
  • Im Verlaufe der Diskussion stellte Hikel übrigens den Standt zum Tourismusbeirat vor. Das war schon deswegen erstaunlich, weil dieses Thema nicht auf der TO stand. Weitere Details dazu siehe hier
  • Im Anhang übrigens ein Scan der Empfehlung für den Tourismusbeirat.
  • Während der Präsentation von Lorenz wurde das Tourismuskonzept für Neukölln jeweils als Lang- und als Kurzfassung verteilt. In der Kurzversion findet sich zum Thema Sozial- und Stadtverträglichkeit wenig, in der Langfassung ein kurzer Abschnitt über die Problemfelder, allerdings dazu, wie hier Abhilfe geschaffen werden soll bzw. die Anwohner*innen in den Prozess mit eingebunden werden sollen. Das ist doch etwas wenig.

Hier nun noch ein paar mehr Details …

Intro von Hikel

  • Übernachtungszahlen sind gestiegen, Neukölln wird attraktiver, merkt man mit seinen positiven wie negativen Facetten in allen Bereichen
  • Tourismus hat bisher untergeordnet Rolle gespielt, inzwischen ist Neukölln ist ein „Sehnsuchtsort“ (place to be) geworden
  • Was zieht die Leute nach Neukölln: Authentizität, „hart aber herzlich“, kulturelle Hotspots / Leuchttürme wie 48 h Neukölln, eigenes Opernhaus, eigenes Volkstheater, diverse Festivals, Karneval der Kulturen, Strohballenrollen, Gutshof Britz, Hufeisensiedlung – große Vielfalt
  • Frage welche Ressourcen es gibt, welche ggf noch nicht ausreichend genutzt werden
  • Die meisten schauen erst mal auf den Norden, Neukölln funktioniert als „melting pot“, urbanes Leben, daneben viele Erholungsorte
  • Herausgekommen ist ein über 100 Seiten starkes Tourismuskonzept, das unter Beteiligung der diversen Akteure und Anwohner zustande kam

Lorenz / „Tourismus Plan B“

  • Tourismuskonzept entstand gemeinsam mit CIMA
  • Neukölln boomt, bisher war der Berlin-Tourismus mehr auf Mitte konzentriert
  • Tourismuskonzept von Landesebene nun auf Bezirksebene angekommen
  • Overtourismus vermeiden, Lenkung der Touristen, Tourismus verträglich gestalten
  • Potentiale entwickeln, in der Fläche entzerren
  • Stärke: Quartiere im Norden, Leben auf den Straßen, hochwertige Nischenprodukte abseits des Mainstreams
  • Qualitative Defizite was die Infrastruktur betrifft
  • Ziele: Hochwertige Produkte abseits des Mainstreams, Tourismus als integrativer Bestandeil einer nachhaltigen Entwicklung, verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen
  • Interessen der Einheimischen  & Gäste berücksichtigen
  • [… viel nicht mitgeschrieben, siehe verteilte Unterlagen …]
  • Stärkung der touristischen Highlights im Süden
  • Fokus: „Urban professionals“ und bürgerliche Mitte,
  • Erlebniswelt: Urbanes Leben, Melting Pot, Stadt Oasen
  • Vorstellung diverser Angebote und Themen wie Schloss und Gutshof Britz, Hufeisensiedlung, Neukölln Info Center, Kunst & Kultur, Stadtverträglichkeit
  • Mündet in umfangreichen Maßnahmenplan wie „Urban trails“, Markenentwicklung

Diskussion

  • In der nachfolgenden Diskussion bemängelte Licher / Linke dass das Thema Sozial- und Stadtverträglichkeit kaum behandelt wurde
  • Antwort Lorenz: Ist noch in der Abstimmung
  • Da stellt sich die Frage: Das Tourismuskonzept liegt doch nun schon gedruckt vor. Was passiert denn nun mit dem Thema Sozial- und Stadtverträglichkeit, wenn es denn mal „abgestimmt“ ist. Gibt es dann eine neues Konzept und eine weitere Präsentation ?
  • Interessant auch die Überzeugung von Hikel (die sich in abgeschwächter Form auch im Tourismuskonzept wiederfindet), dass die Probleme nicht primär durch Touristen verursacht werden, sondern durch die Kiezbewohner und Berliner selber.

Es folgte eine längere Diskussion zu verschiedenen Punkten des Tourismuskonzepts (hier nicht wiedergegeben). Ganz am Ende bekam Andreas Berg / AG Wohnumfeld dann auch das Wort, ging noch mal auf das Thema Sozial- und Stadtverträglichkeit ein und beschrieb den Prozessverlauf der Einbeziehung der Initiativen / Akteure bei der Erstellung des Tourismuskonzepts. Bei verschiedenen Gelegenheiten (Interview mit CIMA im Herbst, Tourismusworkshop im November u.a.) wiesen die Anwohner*innen-Initiativen darauf hin, dass das Thema Sozial- und Stadtverträglichkeit sowohl beim Tourismuskonzept auf Landesebene als auch bei den Formaten im Bezirk sich im wesentlich auf „Überschriften“ reduzieren, also reine Absichtserklärungen ohne dass im Detail ausgeführt wird, wie das denn nun umgesetzt werde soll. Dazu die Auskunft, dass der ganze Prozess in zwei Module aufgeteilt ist, das erste beschränke sich im wesentlich auf die wirtschaftlichen Aspekte und ist der Teil, der Ende 2018 verhandelt wurde. Das zweite Modul soll dann auch das Thema Sozial- und Stadtverträglichkeit einbeziehen und soll Anfang 2019 starten. Leider wurden diese Details in der Präsentation und nachfolgenden Diskussion übergangen. Inzwischen ist Ende April 2019, das Tourismuskonzept liegt vor und von einer Behandlung dieses Thema nach wie vor keine Spur.

Dazu Hikel: Thema Sozial- und Stadtverträglichkeit fehlt im Tourismuskonzept, weil es über die Zuständigkeit der Wirtschaftsförderung hinaus geht und eher ordnungspolitische Maßnahmen betrifft, es soll daher „übergreifend“ und separat behandelt werden. Wie genau und wo (z.B. in anderen Ausschüssen) und wie das dann in das Tourismuskonzept einfließt, wurde aber nicht klar. Es bleibt der Eindruck hängen, dass Hikel das Thema Sozial- und Stadtverträglichkeit eigentlich aus dem ganzen Tourismuskonzept raus halten möchte. Ein weiteres Argument, den Tourismusbeirat möglichst aus der Verantwortung der Wirtschaftsförderung raus zu nehmen.

Materialien